Gerd Prechtl - statt eines Lebenslaufes ...


Am 15. Februar 1943 wurde ich in eine Zeit hineingeboren in der sich bereits ein Ende des 2. Weltkrieges abzeichnete das viele mit Angst, eine Mehrheit aber mit Hoffnung und Zuversicht erfüllte. Hoffnung und Zuversicht sowie daraus erwachsende Tatkraft wurden auch später bestimmende Eigenschaften, die mich heute noch prägen. Dies obwohl – oder weil? – eine wesentliche Hoffnung im frühen Kindesalter enttäuscht wurde, als ich mit Großmutter, Mutter oder Tante unzählige Male in grauen Heimkehrerkolonnen meinen Vater erwartete.


Er kam nie zurück – vermisst irgendwo zwischen Rumänien und Russland und bis heute in meinem Herzen.

Von meinem vierten Lebensjahr an lebte ich im Zimmer-Kabinett Milieu bei den Großeltern und der Schwester meines Vaters. Meine Mutter wähnte mich in dieser schwierigen Nachkriegszeit in der väterlichen Familie besser aufgehoben und versorgt – von da an spielte sie eine geringere Rolle in meinem Leben als meine Tante. Mein Großvater war mir geliebter Vater-Ersatz, strenger und umsichtiger Lehrmeister. Als Eisenbahner vermittelte er mir ein Gefühl für unbekannte Ferne und rigorose Pflichten.


Im kleinen Pachtgarten mit seinen Obstbäumen, Hasen und Hühnern erlernte ich praktische Genügsamkeit und geschicktes improvisieren. Aber auch die kleinen Abenteuer und Wunder der Natur lernte ich sehen und ihre Zusammenhänge verstehen. Das gab mir eine Dimension von Reichtum in meinem von materieller Armut geprägtem Leben.


Mit 9 Jahren geigte ich bei einem strengen Volksschullehrer, der mir zunächst nur die Mühen und Forderungen der Kunst eröffnete. Eine innige Beziehung eröffnete ich mir erst am Konservatorium, in meiner Opernliebhaberei und mit meinem Gesangsstudium in späteren Jahren. Hin und her gerissen zwischen Geige und Piaristen Schule, der Arbeit in Jugendgruppen, Gedichten und Sport, ertastete ich unterschiedliche Talente und Grenzen. Leistung war mir in allen Bereichen ein unbezweifeltes Anliegen.


Die Schule erlebte ich als mühsame Qual, obwohl mir im Gymnasium der Piaristen in Wien ein brauchbares humanistisches Basiswissen vermittelt wurde. Nie vergessen werde ich zwei meiner Lehrer, die an mich glaubten, obwohl ich bei ihnen versagte. Ihnen alleine verdanke ich meine humanistische Matura als Externist, auf die ich mich ohne den Besuch einer weiteren Schule vorbereitet habe.

 

Meine ersten Fernsehauftritte in einer Literatursendung im Alter von 15 und 16 Jahren erschlossen mir den Hauch einer neuen Welt.

Mit 18 Jahren wagte ich mein erstes Wirtschafts- und Organisations-Unternehmen. Ich mietete einen Theatersaal, Kulissen und Kostüme, engagierte Laiendarsteller und Schauspielschüler und kündigte auf Plakaten in Wien an, den Faust I als Regisseur und Darsteller aufzuführen. Diese geglückte Arbeit ließ in mir als 18 jährigem vermeintliche Klarheit reifen, dass ich Schauspieler oder Regisseur werden müsste.

 

Der plötzliche und zu dieser Zeit noch nicht erwartete Tod des Großvaters war für mich besonders schmerzlich. Durch diesen Tod fielen aber auch Barrieren, die zu bekämpfen ich sonst irgendwann gezwungen gewesen wäre.

Mit meiner Tante ging ich diesen Weg bis zum bitteren Ende.

 

Meine Studien an der Universität hatten zunächst suchenden Charakter. Germanistik, Geographie, ein erster Jusabschnitt und Psychologie wurden prüfend durcheilt, Philosophie intensiver betrieben.

 

Mit knapp mehr als 20 Jahren wurde ich zum Fernsehen als Nachrichtensprecher engagiert, hatte schlagartig Erfolg, Geld und Status und wähnte mich in einer Welt, die ich so lange schon erstrebt hatte. Im Hochgefühl des Erfolges erlebte ich schon im ersten Fernseh-Jahr eine Krise. Nachdem ich daraus viel Sicherheit und Klarheit bezog, begann ich tastend den Aufbau eines anderen Weges, der mich während der folgenden 14 Jahre Fernsehen intensiv in Anspruch nahm.

 

Dieser Weg begann mit dem in den 60ziger Jahren aufkommenden Interesse von Politikern und Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft, ihr Auftreten in der Öffentlichkeit professioneller zu gestalten. Damals war das Fernsehen in Österreich gerade so alt, dass sich die Menschen an das neue Medium zu gewöhnen begannen. Die rasche Zunahme von TV-Geräten als Zeichen des Wohlstandes, machte Auftritte im Fernsehen in vielerlei Hinsicht interessant.

Manche Kunden fragten mich aber auch zu neuen, mir wenig vertrauten Problemstellungen aus Wirtschaft oder Politik. Mich faszinierten diese Fragestellungen und zu meiner eigenen Überraschung konnte ich da und dort praktikable Lösungen bieten.

 

Seit dieser Zeit ist für mich Beratung, die Auseinandersetzung mit Menschen und Systemen spannend und die Basis für ein erfülltes Leben.

Als ich damit begann war ich 23 Jahre.

 

Danach stürzte ich mich in intensive Lehr- und Wanderjahre.

Ich besuchte Seminare, lernte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kunst sowie Betriebe kreuz und quer über den Globus kennen. Entscheidende Bedeutung für meine heutige Beratungsphilosophie hatten meine Ausbildung in den USA, die Begegnung mit der Gruppendynamik, der Organisationsentwicklung sowie meine Hinwendung zur Psychotherapie Adlerscher Prägung. Erfahrungen in verschiedenen Ländern Europas, Afrikas und Asiens erbrachten neben einem gewissen Verständnis für unterschiedliche Kulturen vor allem den Respekt für fremde Gedanken.

 

Freunde die mir Situationen analysierten und mir Sicherheit gaben, waren mir dabei eine wesentliche Ermutigung.

 

Am meisten verdanke ich diesbezüglich G. Schwarz, P. Heintel und den Gesprächen mit meinem Onkel Pater Josef Czerwinsky SJ. Meine Frau Ingrid half mir in dieser Zeit aus vielen schweren Situationen.

Drei Kinder - mein Sohn Claus und die Zwillinge Doris und Martin – sind eine wesentliche Orientierung in meinem Leben.

 

Ein neuer Abschnitt meines Lebens begann für mich 1978 mit dem Bau unseres Hotels und Kommunikationszentrums HAUS BARTBERG.

Ein durch Bank und Rechtsanwalt als Mäzen empfohlener Baumeister errichtete das Haus als Hotel und Beratungsherberge. Sein Absprung aus der Mäzenatenrolle stürzte mich in die zweitschwerste Krise meines Lebens.

 

Meine Frau, zwei treue Mitarbeiterinnen, einige Freunde und ein eiserner Wille halfen mir jedoch das Unmögliche zu ermöglichen. Heute freuen wir uns, dass es uns als Branchenneulingen gelungen ist einen Hotel-Betrieb aufzuziehen, der in seiner Art und mit seinem Service im In- und Ausland geschätzt wird.

 

Meine Beratungstätigkeit weitete sich aus, und ich fuhr mit neuen Aufgaben in nahe und ferne Länder.

Zusätzlich begann mich die Politik stärker in ihren Bann zu ziehen. Ich fühlte mich herausgefordert und geehrt zugleich, dass Spitzenleute aus der Politik mit stets faszinierenden Aufgaben an mich herantraten.

 

Einige von ihnen wurden mir Freunde, andere hielt ich leider bloß dafür.

Die internationale demokratische Union, brachte neue Aufgaben, die mich auch nach El Salvador, Columbien, Costa Rica, zu den Sandinisten und bis nach Washington ins Weiße Haus führten.

Dennoch war mir der große Erfolg in diesem Metier bisher nicht beschieden. Gescheitert bin ich bisher in der Politik an kleinen Unachtsamkeiten und daran, dass ich die Unterschiede zwischen Politik und Wirtschaft zu wenig und zu spät realisierte.

 

Beratungsaufträge bei großen österreichischen Firmen, in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, im Nahen Osten, Afrika und den USA haben mittlerweile das interdisziplinäre, internationale Netzwerk von Mitarbeitern erfahren und kooperationsfähig gemacht.

Die Schwerpunkte der Arbeit liegen im Bereich der Organisationsentwicklung, der Erarbeitung von Strategien und der besonderen Art der Marktforschung. Dies vor allem im Bereich Geld- und Kreditwesen, der chemischen Industrie, der öffentlichen Verwaltung sowie Interessensvertretungen verschiedenster Berufsgruppen.

Die Palette der Erfahrungen reicht mittlerweile von der 30Mitarbeiter-Steuerberatungskanzlei bis zu multinationalen Konzernen mit höchst unterschiedlichen Produkten.

 

Heute ist das Ziel all meiner – und im Sinne meines Teams auch unserer – Beratungsintentionen durch die Auseinandersetzung mit Widersprüchen ein erweitertes Bewusstsein zu erreichen. Für den Klienten steht dabei die Frage nach dem Erfolg gleich wie für mich stets im Vordergrund.

Heraklit hat auf diese Frage eine Antwort gegeben mit der ich mich persönlich identifiziere: der Kampf – gemeint Konflikt – ist der Vater aller Dinge.

 

Den Erfolg meiner Beratungstätigkeit sehe ich darin die Wettbewerbsvorteile meiner Klienten im Markt auszubauen, aber auch in der stets verbesserten Fähigkeit, Konflikte zu analysieren und zu bearbeiten. Die somit interessante und verbesserte Kommunikation erschließt den Klienten neue Dimensionen des Denkens und dadurch neue Möglichkeiten zu mehr Effizienz.

Diese Möglichkeiten kommen aber nie bloß vom Berater alleine als zugekaufte Lösung sondern werden stets auch vom Auftraggeber in einem intensiven, oft mühsamen Prozess miterarbeitet.

 

Mit dieser Art der Beratung gehe ich mit meinen Klienten einen Weg der Umsetzung von Beratungsergebnissen zum Erfolg. Die damit notwendige Veränderung bringt allerdings stets Unsicherheit, aber auch erst jene Art von Sicherheit, die meinen Klienten neue Lösungen ermöglicht.

 

Als Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Niederösterreich sowie als Bundesvorsitzender der Unternehmensberater ist es mir darüber hinaus ein Anliegen, diese prozessorientierte Beratung auch bei möglichst vielen Kollegen zum Leitstern ihrer Tätigkeit werden zu lassen.

 

Meine Vision ist die Formierung eines Austrian Consulting Circles, um auch große internationale Beratungsaufträge auch im Sinne des Exports von österreichischem know-how kompetent und erfolgreich durchführen zu können.

Mir geht es in der österreichischen Beraterszene um mehr definierte Qualität und Kooperation der Berater untereinander. Der Klient sollte sich weniger mit einzelnen Primadonnen oder „Alround-Genies“ herumschlagen müssen, sondern Beratungsgemeinschaften vorfinden, die hochspezialisiertes Fachwissen mit einer gesamtheitlichen Schau gepaart haben, um die an sie herangetragenen Herausforderungen kompetent und professionell bearbeiten zu können.

Darüberhinaus setzte ich mich für eine permanente Beraterfortbildung, die Erforschung von Widerständen gegen Beratung und ein besseres Niveau des Berufstandes ein.

 

Mein persönliches Ziel ist es, den Erfolg meines Unternehmens trotz – oder wegen – einer „unbequemen“, fordernden, vom Klienten vieles abverlangenden Form der Unternehmensberatung zu steigern. Ich will dabei als Katalysator und Projekt Manager meinen Klienten immer etwas besonderes bieten. Dies unter anderem darin, dass ich für Vorgangsweisen, Führungs- und Marktforschungsaufgaben stets erstklassige Spezialisten zum Wohl des Klienten koordiniere.

 

Bei allem Respekt vor neuen Aufgaben und Klienten und bei allem gebotenen Ernst bleiben mir aber Lebensqualität, Humor und die Relativierung meiner persönlichen Bedeutung stets wichtig.